Kategorie: Musik

Dank Bill

Montag. Es herbstelt über die Donau herauf und ich entscheide mich sicherheitshalber doch für die regenfeste Jacke. Über dem Jazzland trübt’s sich ein. Hofpflaster und Himmel Ton in Ton. Ich stehe unter rostrotem Laub. Am Boden tanzt es wild wie zu unhörbaren Dreivierteln. Eine Fünfzigerjahretür mit Messinggriff schaut herunter auf die Wartenden. Eine Stunde früher sind sie da. Und immer mehr werden’s. Jung und Alt. Figuren, deren Garderobe sich seit Jahrzehnten nicht verändert hat. Eine Dame, ob Zufall oder nicht, die eine verblüffende Ähnlichkeit mit Ruth Stephan hat. Das Nieseln aus der angegrauten Decke macht mir nichts aus. Zwei betagtere Damen drängeln sich mit lächelnder Selbstverständlichkeit vor. Keine Minute früher beginnt die Zeitreise.

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Foto: Klaus Oberrauner

Es geht hinab. Unter einem Backsteingewölbe tut sich etwas auf, das vom Draußen und Heute nichts weiß. Selbst mein Handy hat kein Netz mehr. An einem Tisch hinter mir fliegen die Tarock. Eine Höhle, in der alles nah ist. Die Menschen, die Musiker, die Musik. Wie ein Reagenzglas für den verrauchten, ewigjungen Klang. Eine Dame sticht mit dem Mond. „So voll war das Jazzland auch noch nie.“ Eine Anerkennung zwischen Schinkenfleckerl und Schmalzbrot.

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Foto: Klaus Oberrauner

 

Eine Gitarre, ein Klavier, ein Schlagzeug, ein Kontrabass, eine Mundharmonika und ein Vibraphon machen den Anfang. Alle spüren, dass sich das Warten lohnt. Aus der Seitennische kommt zuerst sein Schatten. Erster Applaus keimt auf. Lachsfarbenes Sakko unter schlohweißem Haar und schlohweißem Bart. Er ist reif geworden der Fernsehliebling Vieler. Mit einem breiten Lächeln bemüht er seine fünfundachtzig Jahre. „Nur gut, dass die Arthrose nicht auf die Stimmbänder schlägt.“ Aus seinen vitalen Augen und seiner humorvollen Mimik sprüht’s. Rau und kraftvoll schmiegt sich sein unverkennbares Timbre um den Hootchie Cootchie Man, mit dem er uns in seinen Abend hineinlässt. Über Fly my to the moonSophisticated Lady – „eine wundervolle Ballade von Duke Ellington“, wie er ehrfürchtig moderiert, singt er von The Days of Wine and Roses oder besucht mit uns, auf lockende Weise, The Girl of Ipanema. Selbst die Gewölbesteine swingen in den Fugen. Kein Bein, kein Kopf, keine Hand, kein Herz bleibt von diesen vertrauten Klängen unberührt. Auch Bill taucht ein. Lebt mit. So wie er im Publikum ist, ohne Anflug von Allüren, genauso wird er eins mit dem Leisen, dem Schleichenden, dem Melancholischen wenn er die Augen schließt und sich fügt. Wenn seine Stimme auch weich wird. Kaum, dass die ersten Takte von der Mimi losgehen, ist er wieder ganz der Entertainer. Die Sechziger sind hellwach. Die Leute singen mit. Egal ob falsch aber mit Inbrunst. Nichts hält sie auf den Sitzen. Eine aufrichtige Hommage für einen der letzten Großen seiner Zunft. Er macht neugierig auf seine neues Album My Words (85th Anniversary Edition)zu dem er die Lyrics und einiges an Musik geschrieben hat, und aus dem er selbstironisch – „manche Leute glauben, es sei autobiographisch“ – die Nummer Fat Man gibt. Ein Bekannter, den ich zufällig zwischen den Stühlen antreffe, verrät mir, dass Bill seine Auftritte bis weit über seinen 100. Geburtstag geplant hat. Ich muss schmunzeln. Ein Mann, dem ich schon als Kind vor dem Fernseher begegnet bin, mit Visionen. Und auch mein Herz geht auf. Ein unvergesslicher Abend. Hautnah. Ich nehme seine Hand. Dank Bill. Ramsey! 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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„Man kann das Gefühl spielen“

Sie haben in Serbien das Supertalent gewonnen und standen im Finale der beliebten ORF-Show Die Große Chance. Die Geschwister Danijel, Darko und Sandra sind das Trio Piller und sie haben sich aus tiefstem Herzen der Klassischen Musik verschrieben.

Wenn die Geige weint und jubelt.
Zwei Violinen und ein Akkordeon. Drei sympathische, junge Musiker mit serbischen Wurzeln stehen nach der furiosen und beherzten Performance des Libertango von Astor Piazolla auf der ORF-Stage und sehen sich frenetischem Beifall gegenüber. Der Zauber ihrer gehaltvollen Virtuosität erreicht nicht nur das Publikum, sondern auch die Jury. „Es ist erstaunlich, wie viel Gefühl sie bei mir auslösen“, so Rapper Sido. Für Sängerin Zabine war „Leidenschaft auf der Bühne“. Tänzerin Karina Sarkissova erkennt das sehr wertvolle Potential „mit klassischer Musik die Menschen berühren zu können.“ Showmaster Peter Rapp hört Darkos Geige „weinen“ und „jubilieren“.
Mit Klassik und Folklore auf die Bühne.
„Wir spielen Klassische Musik, Volksmusik und so weiter. Die Klassische Musik steht uns sehr nahe, weil wir sie auf Wettbewerben präsentieren und studieren.“ Danijel (Akkordeon) am Prayner Konservatorium, Darko (Violine) am Gustav Mahler Konservatorium und Sandra (Violine) an der Musikschule. Musizieren wird im Hause Piller großgeschrieben. „Wir sind mit der klassischen Musik aufgewachsen. Wir spielen schon von klein auf Musik und die ganze Familie unserer Mutter sind Musikanten.“ Letztere war es auch, die den Weg zur Großen Chance auftat: „Die Mutter hat gehört, dass es die Große Chance gibt und die Freundin von Darko hat uns angemeldet.“ „Die Show und alle Künstler waren super“ sind sie ich über die wertvolle Erfahrung einig. Sie haben sehr viele Fans gewonnen. „Man kann uns mittlerweile auch buchen. Wir haben jetzt schon viele Auftritte und mit Fechter Management & Verlag einen guten Manager.“
Innovativsein macht die Show.
Außerdem hat das „schnelle, kommunikative, teamfähige“ Trio Piller vor etwas eigenes zu kreieren. „Wir improvisieren öfters. Das bereichert die Show und macht es für die Publikumsgäste interessanter.“ Weil man Musik „spüren“ kann, ist sie für die drei ein gutes Mittel für interkulturelle Verständigung: „Die Instrumente und die Melodie sind spürbar. Man kann das Gefühl spielen.“
Dafür bietet sich auch die serbische Folkore sehr gut an, die vor allem mit dem Turbo-Folk und seinem omnipräsenten Akkordeon, die Populärmusik prägt, indem er sich vermehrt Elementen des Pop, Rock oder anderer U-Musik-Stile bedient. Sehr viel Feuer und Herz legt das Trio Piller in seine Auftritte. Im Finale der Großen Chance kam die Krönung ihrer hart erarbeiteten Talentprobe, als Darko mit den Saiten einer anderen Geige sein Instrument zum Klingen bringt.
Wer mit der Musik so spielen kann, hat die begeistert staunenden Herzen gewonnen und Peter Rapp ortet „den Teufelsgeiger“. Dahinter stehen drei Geschwister, „die von klein auf ein Talent haben“ und eine große Liebe: Die Klangkunst.
Viele Auftritte
Sei es bei der Licht-ins-Dunkel-Gala der Tanzakademie Adler-Wiegele in der Carinthischen Musikakademie Ossiach, beim Infotainment-Abend zum Thema „Arbeit und Aufenthalt. Änderungen im Fremdenrecht“, der von der Volkshilfe Österreich ins Leben gerufenen Initiative THARA, die sich insbesondere für die Integration von Roma in die Arbeitswelt einsetzt, im Rahmen des Sido-Auftritts im G3 Shopping Resort Gerasdorf oder bei der Adventlesung von Otto Schenk im Wiener Theater Akzent: Die drei können auf tolle Veranstaltungen zurückblicken und freuen sich schon auf weitere.

[Klaus Oberrauner, KulturToDate, April 2016]

„Meine Musik ist ein Spiegelbild dessen, was das Leben in mir zum Schwingen bring“

Der Weg nach Wien                                                                                Vor über zwanzig Jahren ist die beeindruckende Schweizer Musikerin Eloui nach Wien gekommen, um hier an der Akademie der Bildenden Künste zu studieren. „Als ich damals gewarnt wurde: >Vorsicht, Wien pickt!< habe ich erst gar nicht verstanden, was >picken< bedeutet. Mittlerweile weiß ich es ziemlich genau“, denkt die sympathische Musikerin an ihre Anfänge in der Donaumetropole zurück und bekennt: „Ich lebe sehr gerne in Wien, es ist mein neues Zuhause. Vermissen tu ich natürlich die Berge und den Zürichsee, die Dolder Eislaufbahn, den Walliser Muscat und den Hobelkäse. Aber dafür gibt es hier den Wienerwald, den Böhmischen Prater, Eismarillenknödel und den guten Kaffee.“
Wenn sie sich nicht in ihrem Proberaum in Simmering, in ihrer Wohnung in Favoriten  befindet oder gar mit ihrem Vélo unterwegs ist, saugt sie gern die Lokalatmosphäre im Café Rathaus, im Saigon oder im Rhiz ein.
„Ich bin in der Schweiz in den Walliser Alpen geboren und als Kind sehr gerne geklettert, auf Bäume und auf Felsen. Berge fühlen sich für mich nach Heimat und Kindheit an, ich denke ans Rodeln und Schneehöhlen bauen im Winter, an den Geruch von Schafen und an die kratzigen Gräser der vertrockneten Wiesen im Sommer. 
Ich mag Spaziergänge durch den Wald, Eislaufen auf der gefrorenen Donau, Zugfahren durch Winterlandschaften, Laufen am ewig weiten Strand an der Nordsee. Und Schneefall wirkt bei mir verlässlich stimmungsaufhellend. Ich wohne aber auch sehr gern in der Stadt. Ich mag Wolkenkratzer und Alleen, die Wiener Stadtbahnbögen, das Amalienbad und eine Stadtfahrt mit dem Bus 14A.“

Der Weg zur Musik
Dabei war der Weg zur Musik zunächst kein eindeutiger: „Mein Lieblingsfach in der Primarschule war Musikalische Früherziehung. Mein zweites Lieblingsfach war Zeichnen, und nachdem ich als siebenjähriges Mädchen im Kunsthaus Zürich das Schubladenmuseum mit 500 winzigen Arbeiten von 500 KünstlerInnen – darunter Duchamp, Oppenheim, Picasso und Beuys – gesehen hatte, war ich davon so fasziniert, dass ich unbedingt selber auch Künstlerin werden wollte. Ich habe dann tatsächlich an der Kunstakademie in Wien studiert. Daneben habe ich aber immer mehr oder weniger intensiv musiziert und mit der Zeit habe ich feststellen müssen, dass die Musik einfach meine größere Leidenschaft ist und dass ich mich musikalisch besser ausdrücken kann als bildnerisch.“ Ihren musikalischen Stil zu fassen, einzugrenzen, in eine Schublade zu packen käme dem Versuch gleich, die Farben in einem Prisma zu fangen: „Angeblich sind in meiner Musik Spuren von Punk, Klassik, Singersongwritertum, Jazz, Electronica zu finden. Aber man kann das ja selber immer so schwer beurteilen. Wenn ich eine Genre-Schublade aufmachen muss, würde ich vielleicht am ehesten die direkt unter der Popschublade wählen. Die, die ein bisschen klemmt und knarzt.“ Und trotzdem gibt es noch Parallelen zur Malerei: „Ich sammle Material und fange einfach mal an. Ein erster Strich auf der Leinwand, damit einfach mal wenigstens irgendwas da ist. Und in guten Momenten kommt das ganze dann ins Rollen, ich häufe Kleinigkeiten und Nichtigkeiten an, lege Flächen, setze Kontraste, verwische sie wieder, sortiere, erfreue mich an Zufällen und Unvorhergesehenem, analysiere, versuche zu verstehen, scheitere daran, lasse mich treiben, schaffe Strukturen und Muster, lösche aus, setze neu zusammen…Solange bis ich mit dem Ergebnis zufrieden bin.“ In ihren Videos bemüht sie sich um sehr eindrucksvolle Motive (z.B. im Wind wehende Wäsche auf venezianisch zwischen Häusern gespannten Leinen oder von Spuren gezeichnetes und Schatten werfendes Eis beim Eislauf-Rundendrehen), in denen Natur und permanente Wiederkehr auffallend sind. Inwieweit spielt dieses optische Moment als dritte Dimension, auch bei Live-Performances eine Rolle? „Meine Videos entstehen ungeplant und sehr intuitiv. Ich sehe etwas, das mich fasziniert, bleibe stehen, schaue lange zu, und ab und zu mache ich halt mit meinem Telefon Filmaufnahmen davon. Eigentlich eher für mich persönlich als Souvenir. Manchmal passen dann diese Aufnahmen gut zu den Stimmungen meiner Lieder und ich füge sie zusammen.Ich kann mir gut vorstellen, zukünftig auch auf der Bühne mit eigenen Visuals zu arbeiten.“ Als die beiden anderen Dimensionen erscheinen der kaleidoskopartige, farbgebende, sich weitgehend repetierend fortknüpfende Klangteppich und der sehr poetisch-philosophische, bilderreiche Text. Zuweilen erscheint er collagenhaft mit markanten, emotionsgetragenen Headlines. Da stellt sich natürlich die Frage nach der Herangehensweise an ein derartig eindruckspolyphones Gebilde und woher die Inspirationen kommen?
„Natürlich beeinflusst mich meine Umgebung“, erzählt Eloui. „Inspiration für meine eigene Musik hole ich mir jedoch nicht unbedingt an einem spezifischen Ort. Ich empfinde meine Musik sehr stark als meine Sprache, die einzige, in der ich das Gefühl habe, mich gut ausdrücken zu können. Ich empfinde sie auch als geschützten Ort, an dem ich meine Gedanken, Erinnerungen und Themen sicher aufbewahren kann.“ Ein schöner Tresor im Wortsinn. Ihre Lieder entstehen auch auf sehr unterschiedliche Weise. „Manchmal setze ich mich hin und schreibe einen Text in einem Zug.
Oft überraschen mich aber Textfragmente beim Nachdenken in irgendeiner alltäglichen Situation, beim Radfahren, Kochen, Laufen. Ich schreibe sie dann unterwegs auf irgendwelche Zettelchen oder Zugtickets oder Eintrittskarten. Oder auch in eines meiner kleinen Bücher. All diese Notizen schaue ich immer wieder durch und versuche, die Ordnung darin zu erkennen, sie thematisch oder formal zu sortieren. Ich schreibe sie dann neu angeordnet in ein weiteres kleines Buch. Dieser Prozess wiederholt immer und immer wieder bis sich ein Text herauskristallisiert. Die Musik entsteht manchmal parallel zu den Texten, manchmal ganz separat. Manchmal entsteht sie am Sofa sitzend an der Ukulele, ein anderes Mal programmiere ich als erstes einen Beat am Computer. Das passiert alles während mehrerer Monate, ich arbeite parallel an mehreren Projekten. Sobald ich merke, dass genügend Skizzen und Ideen vorhanden sind, ziehe ich mich ein, zwei Wochen zurück um die Lieder fertig aufzunehmen, zu produzieren und zu mischen.“ Tatsächlich wirkt die Musik wie ein Teppich, auf dem sich der Text ausbreitetet bzw. wie ein Fensterrahmen durch den man die in ihren Liedern erzählte Poesie schaut oder empfängt. Vor diesem Hintergrund sieht sie sich durchaus als Liedermacherin. „Manche meiner Lieder haben sogar Strophe, Refrain und Bridge. Sie sind aber zugegebenermaßen in der Minderheit.“ Dazu kommt die individuelle Exotik und Apartheit durch das Formen quasi synthetischer, polyphoner Klanggebilde, die für Grenzüberschreitung, Grenzdurchbrechung und Grenzverschmelzung stehen können: „Ich benutze die technischen Hilfsmittel und Instrumente als Werkzeug und experimentiere mit einer gewissen naiven Neugier damit herum. Ich nehme Geräusche auf und verfremde sie, ich benutze alte Musikschnipsel und Töne und schicke sie durch Verzererrer und Halleffekte. Dabei entstehen dann wieder neue Sounds mit denen ich weiterarbeite. Es ist für mich eine Herausforderung, mich auf Experimente einzulassen, deren Ausgang ich so gar nicht vorhersehen kann. Genau so wichtig ist es für mich aber auch, immer wieder zur Ruhe zu kommen, Stille und Langeweile zu zelebrieren.“ Da verwundert es dann doch, dass die kreative Wien-Schweizerin auf ihrer Homepage „fear and do it anyway“ titelt. Worauf bezieht sich denn dieses „Angsthaben“? „Ich bin einfach bisher immer dann an den schönsten und interessantesten Orten angekommen, wenn mich der erste Schritt etwas Überwindung gekostet hat. Deshalb habe ich mir diesen Satz als Motto ausgesucht“, erklärt sie mit hübschem Lächeln.
Neben dem Bass ist ihr Instrument die Ukulele. Für sie ein ideales Instrument, um Songs zu schreiben. „Ich stimme mir die Saiten in einer besonderen Stimmung oder erfinde neue Griffe und Akkorde, die Ukulele ist sehr dankbar und unkompliziert und braucht keine ausgeklügelte Technik. Ich mag die kleine Größe und Leichtigkeit der Ukulele. Außerdem ist mir als Bassistin ja alles was mehr als vier Saiten hat sowieso etwas suspekt…“

Das Album
Ihr Album „Chasing Atoms“ – der Titel ist ein Zitat aus einer Textzeile von „The Rift“, einem Lied von M185 („We’re chasing atoms“) – versteht sich als ein Jagen von zusammengefügten Ideenteilchen in einer facettenreichen Klangwelt. Auffallend in der minimalistischen, ausdrucksstarken, collageartigen Bildpoetik ist die Darstellung von Fluktuationsemotion, das Wechselspiel zwischen Natur und Körperlichkeit („life owns me“ in „Grass Stained“), Erleben und Wissenschaft und dem, was jenseits all dessen passiert – wie die Stummheit des Lächelns oder das Gefühl, das jede Körperlichkeit, jeden Raum, jede Zeit übersteigen und überdauern kann („love is the eye of our life’s tornado“, „time is our enemy“ in „Tornado“). Ist das nicht ein Spiegelbild dessen, was Musik in uns zum Schwingen bringt und alle materialistische Wertigkeit einer gierigen und schnellsüchtigen Welt hinterfragt? „Das kann ich so gar nicht beantworten. Es ist schön, wenn meine Musik zu solchen Gedanken anregt! Was ich auf jeden Fall sagen kann ist, dass meine Musik Spiegelbild dessen ist, was das Leben in mir zum Schwingen bringt.“ Ihr Album ist sowohl auf CD als auch auf Vinyl erschienen. Außerdem gibt es dazu ein Poster. Warum sie glaubt, dass man die Schallplatte wieder zu entdecken beginnt? „Vielleicht, weil man statt der digitalen Nullen und Einsen etwas haben mag, das man angreifen kann. Schallplatten sind halt einfach etwas Sinnliches, sie haben eine schöne Größe, das Artwork kommt gut zur Geltung und sie bekommen mit der Zeit ganz individuelle Eselsohren und Plattenkratzgeräusche.“

[Klaus Oberrauner, KulturToDate, April 2016]