Filmnotiz: „La Grande Bellezza“ oder der schönste Schein (2013)

Man fragt sich erst: Wo ist man da hineingeraten? Später erkennt man, dass es das Leben selbst ist – in seinem menschlich konstruierten, skurrilen Panoptikum. Wie schwer verdaulich doch die vom Schein gekochte Oberflächlichkeit ist, die eine Schönheit sein will. Für diese Fassade eignet sich nichts trefflicher zur Kulisse als die ewige Stadt, von der man zuerst auch nur das alte Gesicht sieht. Das mehrfach ausgezeichnete Schauspiel gibt sich als metaphorisches Bilderbuch, das augenzwinkernd wie schonungslos – den Tiber entlangpfeifend, das Kolosseum vor dem Fenster – voranschreitet, einen Spiegel im Nacken, der tief in das hineinleuchtet, was heutzutage die Gesellschaft nicht wahrhaben könnte – so sehr wie sie auf ihr schönes Funktionieren bedacht ist. Ein Sehenswertes Filmerlebnis, das seine tiefe Philosophie zwischen Handlung, Sinn und technischer Umsetzung überträgt. Aufgeladen und nachdenklich zugleich – so hat mich seine Botschaft voll getroffen. Und ich suche weiter. Nach der großen Schönheit meines Lebens.

[Klaus Oberrauner, KulturToDate, Mai 2016]

 

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