„Meine Ideen entstehen aus Bildern hinter den Augen.“

Mit „Atmen“ gelang Karl Markovics ein internationaler Filmerfolg. Zahlreiche Besucher ließen sich von der Eigentümlichkeit des bewegenden Geschichte um einen straffällig gewordenen Jugendlichen auf dem Weg zurück ins Leben bewegen und fesseln. Unter anderem in den Kategorien „Bester Spielfilm“, „Bester männlicher Darsteller“, „Beste Regie“ und „Bestes Drehbuch“ beim Österreichischen Filmpreis ausgezeichnet.

Im Interview erzählt er  über sein ausgezeichnetes Regie-Debut und die Besonderheiten des Österreichischen Films:

Was bedeutet für Sie die Verleihung des Österreichischen Filmpreises?
Karl Markovics: „Preise sind eine Wertschätzung über den Moment hinaus. Der Österreichische Filmpreis ist dazu da, dass Propheten auch im eigenen Land etwas gelten. Österreich war bis vor kurzem eines der wenigen Länder in Europa, in dem es keinen eigenen nationalen Filmpreis gab.“

Mit „Atmen“ geben Sie Ihr Debut hinter der Kamera. Eine besondere Herausforderung?
Karl Markovics: „Herausforderungen sind Triebfedern. Ich habe mein Leben lang das Unbekannte, das Unvorhersehbare gesucht. Ich wollte schon als Kind entweder Schauspieler oder Regisseur werden. Mit 5 habe ich meine erste Rolle gespielt, den „Hans im Glück“ auf dem Erntedankfest in Kapellerfeld (Anm.: Niederösterreich). Mit 7 habe ich meine erste Regiearbeit versucht, den „Zauberlehrling“, nach der Ballade von Johann Wolfgang von Goethe. Die Proben auf dem Schulhof, mit 2 Buben und einem Mädchen aus meiner Klasse, verliefen schon nach wenigen Tagen im Sand. Die anderen wussten offenbar besseres mit sich anzufangen, als Goethe auswendig zu lernen, oder sich als Belesen zu verkleiden.“

Sie haben auch das Drehbuch für „Atmen“ verfasst. Woher kam die Idee zu dieser fesselnden und berührenden Geschichte, die am Rande der Gesellschaft und doch mitten in der Realität schwieriger zwischenmenschlicher Beziehungen dieser Tage spielt, wie auch vor dem Hintergrund des schwierigen Alleinseins?
Karl Markovics: „Meine Ideen entstehen aus Bildern hinter meinen Augen. Es kann passieren, dass so ein Bild in meinem Kopf auftaucht und mich nicht mehr verlässt. Dann frage ich mich nicht, warum, sondern wohin? Im Fall von „Atmen“ war es das Bild einer toten, alten Frau, die auf dem Fußboden ihres Wohnzimmers liegt. Es ist wie ein Puzzleteilchen, das man findet und von dem man sich den Rest des Bildes dazu denken muss. Das war die Arbeit am Drehbuch – sich vorstellen, wie die restlichen Puzzlestücke aussehen könnten.“

Was ist für Sie der „Österreichische Film“? Was macht ihn und seinen mitzuerlebenden Erfolg aus?
Karl Markovics: „Der Österreichische Film hat neben seiner offensichtlichen Vielfalt eine gemeinsame Eigenart – er erzählt Geschichten, für die sich niemand sonst interessiert. Es sind oft Geschichten von Rändern und Rissen. Ränder und Risse sind Zonen, wo ein Wesen kenntlich wird; wo sich seine Grenze oder seine Verletzlichkeit offenbart. Ränder und Risse werden häufig gemieden, weil die Begegnung mit ihnen gefährlich und schmerzlich sein kann. Österreichische Filme nehmen diese Gefahr in Kauf. Das ist ihre Besonderheit.“

Sie starteten den Aufruf auf der Suche nach einem „echt wienerischen“ Jungen für Ihr Filmprojekt. Wie haben Sie sich für Thomas Schubert als Hauptdarsteller entschieden?
Karl Markovics: „Der Slogan mit dem „echt wienerischen Jungen“ stammt nicht von mir. Ich brauchte für die Rolle einen Achtzehnjährigen. Da man in diesem Alter keinen erfahrenen Schauspieler findet, haben wir über Schulen und auf der Straße gecastet. Es haben sich an die 250 Burschen gemeldet, von denen Nicole Schmied, meine Casterin, 40 in die engere Wahl genommen hat. Nach zwei weiteren Runden war nur noch einer übrig – Thomas Schubert. Sein Spiel war so einfach und wahrhaftig, dass man ihn leicht hätte übersehen können, wäre seine Präsenz nicht so unglaublich gewesen.“

 

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